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Mittlere Reichweite der Batterie genügt vollkommen

Die Reichweitenangst ist eine der Hauptbefürchtungen des kraftfahrenden Menschen. Fast jeder Autobesitzer kennt das Gefühl, das unweigerlich entsteht, wenn sich bei bedrohlich niedrigem Benzinstand weit und weit breit keine rettende Tankstelle finden lässt. Nicht Wenige kennen auch die mehr als unangenehmen Umstände, die entstehen, wenn man tatsächlich "auf dem Trockenen" zu sitzen kommt. Dennoch wird das im fossilen Zeitalter gelernte Verhaltensmuster - die Vorstellung von der Notwendigkeit einer stets in Reichweite befindlichen  Zapf-(Schnelllade)-säule - schneller als erwartet der Vergangenheit angehören.

Diesen Schluss legen auch eine gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Nissan durchgeführte Studie des US-amerikanischen Energieministeriums aus dem Oktober 2011, sowie andere konventionelle Untersuchungen nahe. Sie haben ergeben, dass offenbar 95% aller Fahrzeuge in den USA weniger als 160 Kilometer und 72% aller Fahrzeuge weniger als 60 Kilometer pro Tag bewegt werden. Auch aus einer 2011 in Deutschland realisierten Umfage des Elektroauto- und Hybridfahrzeugeportal geht hervor, dass weniger reichweitenstarke und teure Batterien, sondern zunächst mehr preisgünstige Akkus mit mäßiger und mittlerer Reichweite (100-300 km) am Markt gefragt sind.

Als Grundlage der Einschätzung einer künftigen Mobilitätsstruktur von Elektrofahrzeugen in Deutschland können die derzeitige Bewegungsmuster von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren dienen. Demnach legen 85% der Fahrzeugnutzer weniger als 70 Kilometer pro Tag zurück. Laut Forschungsvorhaben Optum von Öko-Institut und Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) fahren 80% sogar weniger als 50 km und 95% weniger als 100 km an einem Tag, was bedeutet, dass bereits eine mittlere Reichweite elementaren Mobilitätsbedürfnissen entspricht. Auch ein Vergleich der durchschnittlichen Anteile von Mobilität und Immobilität macht deutlich, dass ein Fahrzeug die meiste Zeit des Tages unproduktiv herumsteht statt zu fahren (vgl. Abschlussbericht: Begleitforschung Kabelloses Laden, S. 111-113).

Täglich werden 31% der Fahrzeuge genutzt, um zur Arbeit zu fahren: 18% fahren weniger als 40 km (hin und zurück), nur 13% pendeln 40 km und mehr am Tag. Am Samstag fahren 41% weniger als 40 km, 14% brauchen das Auto für längere Fahrten (durchschnittlich 80 km). Am Sonntag wird besonders wenig Auto gefahren. 63% der Fahrzeuge werden gar nicht genutzt. 27% bewegen ihre Auto nicht weiter als 40 km. Statistisch fährt nur rund jeder Dritte maximal vier Tage im Jahr mehr als 100 Kilometer. Das gilt für die Wochentage Montag bis Freitag.